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Die Deutsche Rechtschreibung

Zu den wichtigsten Elementen der deutschen Sprache, als das wesentliche Grundmedium für die Kommunikation großer Teile der mitteleuropäischen Bevölkerung, gehört neben Wortschatz, Etymologie und Sprachanwendung die Rechtschreibung (Orthografie). Mit dem Begriff "Rechtschreibung" wird die anerkannt richtige Schreibung von Wörtern sowie die korrekte Zeichensetzung (Interpunktion) bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frühgeschichte der deutschen Rechtschreibung
  2. Die Bedeutung von Adelung, Grimm und Duden
  3. Rechtschreibreform 1996/2006
  4. Wichtige Regeln und deren Veränderungen

1. Frühgeschichte der deutschen Rechtschreibung

Die deutsche Rechtschreibung hat im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Veränderungen und Reformen erfahren und stand in ihrer Frühphase in enger Verbindung mit der Entwicklung der auch "Hochdeutsch" oder "Schriftdeutsch" genannten deutschen Standardsprache, die sich etappenweise zur Amts- und Bildungssprache etablierte und dabei die anderen Idiome weitgehend abwertete.

Die ältesten Schriftdenkmäler deutscher Sprache sind aus dem 8. Jahrhundert überliefert worden. Basis der vor allen in den klösterlichen Schriftstuben ("Skriptorien") sowie den herrschaftlichen Kanzleien entstehenden deutschen Schriftsprache, die zunächst neben Latein als dominierende Kirchen- und Herrschaftssprache lediglich einen zweitrangige Rang hatte, war das lateinische Alphabet. Erst seit der massenhaft ab 1522 verbreiteten Lutherbibel begann das Hochdeutsche das Lateinische entscheidend zu verdrängen. Das in der Bibel von Luther verwendete Deutsch nahm einerseits sprachgeographisch eine Mittelposition zwischen nord- und süddeutschen Sprachräumen ein, andererseits stand es in enger Beziehung zu den in offiziellen Schriftstücken oft verwendeten Schreibregeln sächsischer Kanzleien. Die sächsische Kanzleisprache stand lange in Konkurrenz zu der von Kaiser Maximilian I. (1459 - 1519) als Regelwerk für die kaiserliche Verwaltung eingeführten "Maximilianischen Kanzleisprache".

Den Mangel, etliche deutsche Laute, insbesondere die Umlaute, mit lateinischen Buchstaben nur unzureichend ausdrücken zu können, wurde maßgeblich von phonetisch-phonologischen Überlegungen des St. Gallener Benediktiner-Mönchs und Klosterschulleiters Notker Labeo (etwa 950 - 1022) ausgeglichen. In den Fällen, in denen das vorausgehende Wort stimmlos endet, also mit ch, b, d, g, f, h, k, p, pf, s, wechseln nach dem "Notkerschen Anlautgesetz" die im Anlaut, dem ersten Laut eines Wortes, stehenden Konsonanten b, d und g zu p und t beziehungsweise k. Bei vorausgehenden stimmhaften Konsonanten oder Vokalen schreiben sich die Anlaute b, d beziehungsweise g.

Im Hochmittelalter setzten sich der Vorläufer des Kommas, das Schrägzeichen ("Virgel"), zur optischen Gliederung der Sätze sowie differenzierte Groß- und Kleinschreibung durch. Typisch für das Schriftdeutsch des Mittelalters waren unter anderem die im Vergleich mit der heutigen Situation wesentlich häufigere Verwendung von Doppelkonsonanten (z.B. "Kampff") sowie die gängige Verschriftung des Lautes "au" durch "aw" (z.B. "Pawl" statt "Paul").

Bis weit ins 18. Jahrhundert gab es keine allgemein verbindlichen Rechtschreibregeln. Eine gewisse Orientierung boten die Vorgaben der amtlichen Verlautbarungen in den zahlreichen souveränen Staaten des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, bei denen sich zwar die Tonalität beim Amtsdeutsch weitgehend glich, es aber erhebliche regionale und lokale Unterschiede bei der Anwendung von Rechtschreibregeln gab.

2. Die Bedeutung von Adelung, Grimm und Duden

Zu einer gewissen Vereinheitlichung trug das Wirken des sächsischen Bibliothekars und Germanisten Johann Christoph Adelung (1732 -1806) bei, der durch die Veröffentlichung des "Grammatisch-kritischen Wörterbuches der Hochdeutschen Mundart" (1772 bis 1786) der als "Meißner Kanzleideutsch" bekannten Amtssprache sächsischer Kanzleien weitgehend zum endgültigen Durchbruch in Amtsstuben, Hochschulen und Literatur verhalf. Auf Adelungs Vorstoß ging unter anderem die Beschränkung des bis dahin sehr häufigen "ß" zurück. Dennoch blieb die deutsche Rechtschreiblandschaft auch zu Beginn des 19. Jahrhunderts von einer immer noch großen Unterschiedlichkeit geprägt. Zur weiteren Vereinheitlichung trug das Mammutwerk der Brüder Jakob und Wilhelm Grimm bei, die 1838 mit der Herausgabe des 1961 beendeten "Deutschen Wörterbuchs" (33 Bände, 34.000 Seiten) (DWB) begannen.

Das DWB wurde zu einem Bestseller des deutschen, überwiegend national eingestellten Bildungsbürgertums, das sich bewusst bemühte, sich in seiner Sprachpraxis einerseits vom als "unfein" geltenden Dialekt abzusetzen, andererseits durch die Pflege einer gemeinsamen Hochsprache sein Nationalbewusstsein in einem in mehr als drei Dutzend Staaten aufgeteilten Deutschland zu dokumentieren. Die bei den Brüdern Grimm noch praktizierte "Gemäßigte Kleinschreibung" mit nur wenigen großen Anfangsbuchstaben wurde bei den Bemühungen um eine weitere Vereinheitlichung nach der Reichsgründung 1871 staatlicherseits allmählich wieder aufgegeben. Dabei orientierte sich die entscheidende II. Orthographische Konferenz 1901 am "Vollständigen Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache" von Konrad Duden (1829 - 1912) und erklärte deren Regelwerk ab 1903 für verbindlich. Nicht nur das Deutsche Reich, auch Österreich und die deutschsprachige Schweiz schlossen sich diesem Regelwerk weitgehend an.

3. Rechtschreibreform 1996/2006

Die faktische Reglementierung der deutschen Rechtschreibung durch die Duden-Redaktion wurde 1955 von der Kultusministerkonferenz für die BRD bestätigt. Durch die 1996 verabschiedete und nach erheblichen öffentlichen Diskussionen bis 2006 mehrmals überarbeitete "Reform der deutschen Rechtschreibung" erfuhr die deutsche Rechtschreibung, die seit 1903 laufend in Einzelheiten angepasst worden war, ihre bedeutendste Veränderung der letzten 100 Jahre.

4. Wichtige Regeln und deren Veränderungen

Zu den wichtigsten Regeln, die durch die Rechtschreibreform von 1996/ 2006 betroffen sind, gehören:

  1. Es fallen bei zusammengesetzten Wörtern keine Buchstaben mehr weg. Es gelten z. B. statt "Schneeule" und "Schiffahrt" jetzt "Schneeeule" und "Schifffahrt".
  2. Anpassung etlicher Fremdwörter wie "Spaghetti" und "Delphin" an die sprachliche deutsche Praxis: "Spagetti", "Delfin".
  3. Die Endung ß ist nur noch nach langem Vokal wie bei "draußen" und "Maß" regelgerecht. Dagegen nach kurzem Vokal ausschließlich ss. z.B. statt "Schloß" "Schloss", statt "küßen" "küssen".
  4. Anredepronomen in der zweiten Person dürfen nur noch in Briefen großgeschrieben werden, Du, Sie, Ihr.
  5. Bei der Kombination von zwei Verben wird in der Regel getrennt geschrieben. z.B. statt "spazieren gehen" "spazierengehen", statt "kennenlernen" "kennen lernen". Bei kombinierten Verben mit übertragenem Sinngehalt kann aber auch wahlweise die verbundene Schreibweise beibehalten werden. Z.B. sowohl "sitzen bleiben" als auch "sitzenbleiben".
  6. Trennen von Wörtern nach Sprechsilben. z.B. "Bä - cker" statt "Bäk-ker", "Fens - ter" statt "Fen - ster".

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